Stadtentwicklungsimpulse – Die Verantwortung von Architektur und Stadtplanung für die Gesellschaft von morgen

21
Mai
2018

Stadtentwicklungsimpulse – Die Verantwortung von Architektur und Stadtplanung für die Gesellschaft von morgen

Das Kerngeschäft der MWS Projektentwicklungsgesellschaft ist nicht nur die Entwicklung der Mannheimer Konversionsflächen, sondern auch die lokale Stadterneuerung, die eine Steigerung der Lebensqualität ermöglicht. „Im Rahmen unserer Aufgabe sind wir mit allen möglichen Themen der Stadtentwicklung konfrontiert – und damit auch mit gesellschaftspolitischen Themen“, erklärt Achim Judt, Geschäftsführer der MWSP. Aus diesem Grund wurde die Veranstaltungsreihe „Stadtentwicklungsimpulse“ ins Leben gerufen, die zwei Mal im Jahr Raum für Diskussionen rund um die städtischen Entwicklungsprozesse bietet. Zur dritten Veranstaltung in der ehemaligen Grundschule auf FRANKLIN hatte die MWSP wieder zahlreiche Experten geladen, die diesmal zum Thema „Die Verantwortung von Architektur und Stadtplanung für die Gesellschaft von morgen“ und darüber, welchen Beitrag die Stadtentwicklung für die Bürger leisten kann, diskutierten.

Im Rahmen der „Stadtentwicklungsimpulse“ wurden auch die Arbeiten der Architekten von morgen gewürdigt: Studierende der University of Applied Sciences Frankfurt und der Hochschule Darmstadt hatten sich mit der Nutzung der ehemaligen Grundschule auf FRANKLIN beschäftigt und Entwürfe für den Außen- und Innenraum erstellt. Für ihre innovativen Ideen erhielten Dominika Bobko, Jule Ari Orth, Clara Haugwitz, Benjamin Schollenberger eine Anerkennung und Lukas Kerner, Carolin Wille sowie Annelie Seiferheld einen Preis.

Im Anschluss gab Dr. Lea Schmitt von der MWSP eine sozialwissenschaftliche Einführung in das Thema des Abends. Die Stadtentwicklung stünde vor wachsenden Herausforderungen, erklärte sie: Die Vorstellungen guten Lebens seien durch eine älter und zugleich diverser werdende Gesellschaft in Bewegung; die Folgen der Digitalisierung für Arbeit und Wohnen noch kaum absehbar. Zugleich deute eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung auf eine Veränderung der großpolitischen Kulisse hin. Nicht zuletzt sei der Immobilienmarkt durch die massive Verschiebung von Arbeit zu Investment zunehmend von Handel statt von Wertschöpfung geprägt. Städtebau hätte jedoch die Macht zu beeinflussen, „wie jeder Einzelne seine Wirklichkeit wahrnimmt. Weil die schiere Existenz und Verfügbarkeit von Objekten und Gegenständen bestimmte Handlungen nahe legen, ermöglichen, fördern oder sogar provozieren.

Mit dem „Morgen“ beschäftigte sich Herwig Spiegl, Mitbegründer und Partner des Wiener Architektenbüros AllesWirdGut, in seinem Impulsvortrag. In der Stadtplanung der Zukunft sei es wichtig, das Bedürfnis nach menschlicher Nähe zu befriedigen, öffentliche Räume anzubieten, aber auch Privatsphäre zu fördern. Doch vor allem das rasante Städtewachstum würde Städteplaner und Architekten vor eine große Herausforderung stellen, meinte Spiegl. Es müsse zwangsläufig eine Verdichtung stattfinden. In diesen Zeiten sei das Risiko für Experimente so gering wie nie zuvor – doch das sei ein Fehler. „In der Stadtplanung muss Spielraum möglich sein – man muss auch mal vom Masterplan abweichen können!“ Innovation sei schließlich eine Frage des Mutes. Der Architekt verwies auch auf ein „Erfolgsrezept“ aus Wien, wo der soziale Wohnungsbau seit Jahren erfolgreich weiterentwickelt wird: „Vielfalt ist eine wahnsinnige Chance“, so Spiegl. In der österreichischen Hauptstadt hätte man Vielfalt nicht nur akzeptiert, sondern auch in die Planung integriert. „Wir müssen als Planer wieder ganz stark an den denken, für wen wir eigentlich planen – nämlich den Menschen“, appellierte Spiegl an die Stadtplaner und Architekten. Dazu müsse man nicht nur den Bürgern ein Mitspracherecht einräumen, sondern sich auch mit den kommenden Generationen auseinandersetzen.

Um Bürgerbeteiligung in der Stadtplanung ging es auch in der anschließenden Diskussionsrunde. Achim Judt merkte an, dass Partizipation auch als Verantwortungsverlust der Architekten und Stadtplaner für den Stadtentwicklungsprozess wahrgenommen werden kann. Diese Meinung teilte Herwig Spiegl nicht. „Bürgerbeteiligung entbindet uns nicht von der Verantwortungen, die Ideen mit unseren Kompetenzen umzusetzen“, meinte er. Felicitas Kubala, Bürgermeisterin für Bürgerservice, Umwelt und technische Betriebe, betonte in der Diskussion die Aufgabe der Politik in der Stadtentwicklung. Sie sehe die Verwaltung in einer unterstützenden und beratenden Funktion, die Eigenverantwortung und selbstbestimmtes Handeln der Bürger stärken solle. Kubala sieht die Zukunft Mannheims in einer ökologischen Stadtentwicklung mit mehr Freiflächen, die die Aufenthaltsqualität der Bürger steigern sollen. Wesentlich für eine zukunftsfähige Entwicklung seien aber auch die passenden Mobilitätskonzepte. Für Prof. Kerstin Schulz, Dozentin für Architektur an der Hochschule Darmstadt, sei der größte Fehler in der Stadtentwicklung, den Weitblick zu verlieren. „Wir müssen versuchen, weniger Vorstellungen zu erfüllen und zu befriedigen, sondern anfangen, wieder viel mehr Vorstellungen zu wecken!“ Für dieses Ziel wurde dank der wertvollen Impulse der Experten schon einmal ein wichtiger Grundstein gelegt.

Der Vortrag von Herrn Spiegl steht hier zum Download bereit.

Die nächsten „Stadtentwicklungsimpulse“ finden am 10. Oktober 2018 zum Thema „50 Jahre 1968er. Der öffentliche Raum als Trainingsgelände der Demokratie“ statt.