STADTENTWICKLUNGSIMPULSE – Wie sieht die Ökumene der Zukunft aus?

26
Oktober
2017

STADTENTWICKLUNGSIMPULSE – Wie sieht die Ökumene der Zukunft aus?

Mit FRANKLIN entsteht in Mannheim ein Stadtquartier, in dem Offenheit und Toleranz großgeschrieben werden. Menschen aller Nationen werden dort ihre Heimat finden und nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander leben. Dabei spielen nicht nur die unterschiedlichen Kulturen, sondern auch die vielfältigen Religionsgemeinschaften eine Rolle. Die 2. Veranstaltung der Diskussionsreihe STADTENTWICKLUNGSIMPULSE in der Turnhalle der ehemaligen Elementary School stand deshalb im Zeichen der „Modernen Ökumene“. 

Begrüßung durch Achim Judt, Geschäftsführer MWSP (Foto: Andreas Henn)

Wir wollen in dieser Veranstaltungsreihe Raum geben für Diskussion und Austausch zu den städtischen Entwicklungsprozessen und Antworten finden auf die Frage, was man mit Stadtentwicklung leisten kann“, erklärte MWSP-Geschäftsführer Achim Judt den Hintergrund der STADTENTWICKLUNGSIMPULSE. Vom Soziologen bis zum Kulturschaffenden sollen verschiedenste Akteure an den Diskussionen teilnehmen und wertvolle Impulse für FRANKLIN und Mannheim geben. Zur zweiten Ausgabe der Veranstaltung hatte die MWSP einen Experten aus dem Norden eingeladen: Sieghard Wilm ist langjähriger Pastor der St. Pauli Kirche in Hamburg. In seiner 5.000-Mitglieder-Gemeinde auf dem Kiez konnte Wilm viel Erfahrung mit Vielfaltsquartieren sammeln und stellte sich zahlreichen interreligiösen Herausforderungen.

Sieghard Wilm, Pastor der St. Pauli Kirche in Hamburg (Foto: Andreas Henn)

Mit seinem Vortrag „Die Kirche auf die Straße und die Straße auf die Kirche“ leitete er die anschließende Podiumsdiskussion ein, an der verschiedene Mannheimer Akteure teilnahmen. Neben wertvollen Erfahrungen aus seiner Gemeinde teilte Wilm auch seine Vision einer „Modernen Ökumene“ mit den Zuhörern. Dabei bezog er sich auf die Wurzel des Wortes Ökumene: das griechische Wort „Oikos“, was soviel bedeutet wie Haus. „Wir leben alle auf einer Erde, in einem Haus. Aber wir sind eben verschieden. Und das nicht als Problem zu sehen, sondern als Aufgabe zu begreifen, das ist die Ökumene der Zukunft“, erklärte er. „Ein Haus, das viele Räume hat und Zugänge; in dem alle zuhause und sicher sind. Das ist die Vision von Heimat“. Der Pastor nannte auch gleich das Erfolgsrezept, um diese Vision in die Tat umzusetzen: Glaube leben, sich gegenseitig zuhören, Vorurteile abbauen und Akzeptanz und Gerechtigkeit einfordern.

„Gott hat uns den Pluralismus gegeben, uns alle unterschiedlich gemacht. Das sollte man nicht als Strafe sehen, sondern als Gelegenheit“, sagte Amnon Seelig in der anschließenden Diskussionsrunde. Er ist seit April 2017 Kantor der Jüdischen Gemeinde und lebt erst wenige Monate in Mannheim. Eins konnte er aber schon feststellen: „In Mannheim gibt es eine gewisse Tradition von Toleranz und von Miteinander“.

Jennifer Yeboah ist seit sechs Monaten Quartiersmanagerin im Herzogenried und veranstaltet regelmäßig den „KiezBrunch“ in der Neckarstadt-West. Diese Veranstaltung zeigte ihr bereits in der Vergangenheit, dass Begegnungsräume ebenso wichtig sind wie gemeinsame Gespräche. „Wir müssen immer wieder betonen, dass uns viel mehr vereint als trennt“, erklärte sie. Auch Karl Jung, seit zwölf Jahren Dekan der Katholischen Kirche Mannheim, sieht den Ansatz für eine moderne Ökumene im Gespräch. „Wir müssen viel mehr auf den Dialog der Religionen setzen“, meinte er. Den habe er in Mannheim schon kennen und schätzen gelernt.

Podiumsdiskussion im Anschluss an den Vortrag (v. l. n. r.): Sieghard Wilm (Pastor der St. Pauli Kirche), Amnon Seelig (Kantor der Jüdischen Gemeinde Mannheim), Jennifer Yeboah (Quartiersmanagerin Herzogenried), Karl Jung (Dekan Katholische Kirche), Ralph Hartmann (Dekan Evangelische Kirche), Baren Alpayci (2. Vorsitzende Interkulturelles Haus Mannheim e.V.), Sabrina Mann (Moderatorin)  (Foto: Andreas Henn)

„Vielfalt kann sehr bereichernd sein. Dafür muss man das Gemeinsame suchen“, erklärte Ralph Hartmann, Stadtdekan der Evangelischen Kirche Mannheim im gemeinsamen Gespräch. Wenn man diese gemeinsame Basis erst gefunden habe, könne man daraus neue Aktionen und Möglichkeiten ableiten.

Gemeinsamkeiten offen ansprechen und Religion nicht zum Tabuthema machen – das ist aus Sicht von Barin Alpayci das Wichtigste am interreligiösen Dialog. Alpayci ist 2. Vorsitzende des Interkulturellen Haus Mannheim, das verschiedene Mannheimer Migrationsvereine unter einem neuen Dachverband vereint und demnächst in die ehemalige Elementary School auf FRANKLIN einziehen wird. Sie betonte die Wichtigkeit, dass im interkulturellen Dialog auch religiöse Themen ihren Platz finden müssten. In Mannheim – und vor allem in FRANKLIN – sieht sie das Potential einer Vorreiterrolle. „Wir sind offen für Zusammenarbeit, offen für gemeinsame Projekte und würden uns freuen, wenn wir Themen offen ansprechen!“, richtete sie die Worte an die Experten und Zuhörer, die dieses Angebot begeistert begrüßten. Manchmal muss man eben nur einen kleinen Impuls setzen, um einen großen Schritt in die richtige Richtung zu machen.